Der Motor wird auch oben am Rahmen fixiert. Hierzu gibt es zwei Verbindungsbleche, die am Ventildeckel
einerseits und an den Rahmenoberzügen andererseits verschraubt werden. So die Theorie, bislang hatte das auch immer
gepasst.
Der Motorausbau im Rahmen der Kawasaki Z 750B Restauration hat jedoch die Toleranzen weit ausgeschöpft
und so kam es, dass der untere Bolzen nicht durch alle Bohrungen passen konnte. Es fehlte immerhin ein
Drittel Bohrungsdurchmesser für die Montage. Alle anderen Motorbolzen waren schon fest und der hintere
untere sogar schon nicht mehr zugänglich, ohne wieder diverse Teile abzubauen. Mist!
Extrem Ärgerlich - hier fehlen einige Millimeter für den letzten Bolzen
Ok, dann eben etwas uneleganter: Der Motor hängt nach vorn unten, er muss also nach oben hinten.
Wo ist der Drehpunkt für diese Bewegung? Richtig, genau in der unzugänglichen Aufhängung!
Das muss doch möglich sein… …die Latten vom Vergasereinbau lagen eh noch rum und der Wagenheber war
auch nicht weit. Also drei Verbindungen gelöst und mit sanfter Hydraulikkraft dem Motor die 2 mm verpasst,
die noch fehlten - hat geklappt.
Mit der Kraft der Hydraulik ging es doch
7.9.2016: "Electrical Power On"
... heißt im Flugzeugbau der wichtige Fertigungsschritt, wenn zum ersten Mal die Elektrik eingeschaltet
und getestet wird. Ein paar Nummern kleiner, aber gefühlt habe ich mich genauso gut, als die einzelnen
Verbraucher in Betrieb gingen. Bis auf zwei Tacholämpchen, deren Ausfall ich in den Jahren vorher nie
bemerkt hatte, (weil immer nur tagsüber unterwegs), hat alles sofort funktioniert. Ein bisschen justieren
noch am Bremslichtschalter und an der etwas kniffligen Seitenständerabschaltlogik, aber dann war‘s das.
Der Schaltplan und die Leitungsliste haben sich hier bezahlt gemacht und die Elektrik meiner Kawasaki
ist wieder vorzeigbar.
Eine ordentliche Elektrik gehört zu jeder Motorrad-Restauration Elektrik die Zweite... Verlegung der Kabel beim Steuerkopf der Z750
11.9.2016: Sanfte Gewalt - die dritte
Das Komplettieren geht flott voran und heute konnte dann die Auspuffanlage drunter. Während beide Krümmer
und Endtöpfe ja mit Ako-Pads, Reiniger und Politur wieder ansehnlich gemacht werden konnten, war das
Interferenzrohr ein hoffnungsloser Fall. So vernarbt und rau hätte man es auch nicht mehr ordentlich
verchromen können. Ich habe mich deshalb entschlossen, dieses nahezu unsichtbare Stückchen Rohr mit
Ofenlack zu behandeln. Das ging ganz gut und mit einer Heißluftpistole auf Vollgas - immerhin 550°C -
ließ sich die Farbe auch gut einbrennen. Nur die Montage ... ok, auch hier musste mal wieder Kraft angewendet
werden. Aber faul (oder schlau?) wie ich war, standen da noch die großen Schraubzwingen in der Garage.
Vorsichtig die beiden Übergänge von den Krümmern auf die Endrohre umschlossen und langsam angezogen
und nach ein paar Zentimetern sitzt alles wie es soll. Logisch, dass ich die Schellen vorher aufgesteckt hatte.
Öl kann ich auch schon mal auffüllen. Hm, was fehlt eigentlich noch?
Ach ja - die Zündung muss noch eingestellt werden - zunächst nur mit Prüflämpchen und 17er Schlüssel
zum Durchdrehen der Kurbelwelle, damit der Motor überhaupt anspringen kann. Später folgt dann die genaue
Einstellung mit Schließwinkelmesser und Blitzlampe.
Lange nicht mehr gemacht und den Kontaktabstand wusste ich auch nicht mehr sicher. Aber dafür gibt es
ja das Kompendium!
Diese Riesen-Fleißarbeit hat Werner aus der Twin-Interessengemeinschaft aus allen ihm zur Verfügung
stehenden Quellen zusammengestellt und übersetzt. Das ist definitiv die (übrigens käufliche) Bibel für
Twin-Fahrer und hat mich die letzten fünf Monate begleitet. Lieber Werner, ohne dein Kompendium wäre
vieles anders gelaufen und einiges für mich komplizierter geworden. Vielen Dank für deine Mühe!
Zündfunken sind da, dann kann es heute losgehen! Tank drauf, Schläuche dran…Benzinhahn - nein!
Bevor hier zündfähiges Gemisch erzeugt wird, sollte vielleicht erstmal das Öl die Chance haben,
die eine oder andere trockene Ecke im Motor wieder zu erobern. Nach ein paar Tritten auf den Kickstarter
lasse ich den E-Starter noch etwa 30 Sekunden orgeln und hoffe, dass so langsam überall wieder Schmierstoff
angekommen ist. Zumindest ist das Ölfiltergehäuse wohl wieder voll, denn der Pegel im Schauglas ist ein
gutes Stück gesunken und ich muss etwa einen Viertelliter nachfüllen.
Ok, jetzt aber Sprit marsch! Jo, der lief auch. Und wie. Bis auf den Betonboden. Mist.
Schnell war klar, dass das Benzin aus dem Überlauf der linken Schwimmerkammer kommt. Aber ich hatte doch die
Schwimmer auf Dichtigkeit überprüft, und neue Nadelventile sind auch drin…komisch. Am Vergaser selber auch
nichts zu sehen, alles gut soweit. Was blieb mir anderes übrig, als den Vergaser noch einmal zu öffnen.
Glücklicherweise geht das bei der Twin in eingebautem Zustand - wenn man die vordere innere
Schwimmerkammerschraube dann findet. Fluch und Segen der neuen Inbusschrauben: Mit einem kurzen dicken
Kreuzschlitzdreher wäre das Auffinden sicher einfacher gewesen, aber wenn man sie dann mal hat,
ist die formschlüssige Verbindung des Inbus erheblich sicherer und besser handhabbar.
Tja, es gibt nichts, was es nicht gibt, siehe Bild.
Die Vergaserdüsen hatten sich "versteckt"
Um sie ja nicht zu verbaseln, hatte ich die neuen Vergaserdüsen der Z750 samt Tütchen einfach ins
Schwimmerkammergehäuse gelegt - ein aus meiner Sicht logischer Ort. Hat nur nichts genutzt, weil ich diesen
Gedanken vergessen hatte und bei der Komplettierung des Vergasergehäuses ein paar Wochen zuvor verzweifelt
nach den Düsen gesucht habe und - welch Glück - noch eine anderes Pärchen aus einem älteren Reparatursatz
fand. Die Schwimmerkammer hab ich wohl von unten montiert und vorher nicht mehr reingeschaut.
Beutelchen ist aufgeschwommen und hat den Schwimmer verklemmt. Blödheit gehört bestraft -
mit einer halben Extrastunde Fummelei.
Warum nur links? Naja, rechts war viel eher fertig, weil ich ja beim linken die Düsen vergurkt hatte und
auf die Schwimmerkammer von Michael warten musste
Nach dem Wiederverschließen war auch alles gut und sie sprang an. Einfach so. Als wäre nix gewesen seit
August 2015, wo sie das letzte Mal gefahren wurde. Auf die sofortige Probefahrt musste ich aber verzichten,
denn die HU war seit April überfällig.
14.9.2016: Bei Kaiserwetter zur HU
Obwohl ich wahnsinnig gerne zur Oldtimer-Tankstelle Brandshof gefahren wäre, um mir vom dortigen Oldie-Prüfer
(der nicht nur prüft, sondern auch hilfreiche Tipps gibt und einfach Freude an seiner Arbeit hat) den Segen zu
holen, wollte ich die 35 Kilometer nach Hamburg nicht ohne Plakette riskieren und bin zum örtlichen TÜV gefahren.
Gut so, denn nach der völlig unproblematischen Abnahme hatte ich so die Gelegenheit, gleich zu Hause noch ein
wenig an der Vergasereinstellung zu feilen. Ich hatte sie zwar gemäß Vorgaben voreingestellt, aber das
Kerzenbild zeigte gleich, dass der Motor zu fett lief. Bei der Gelegenheit habe ich dann auch mit dem
CarbTune-Synchrotester den Feinabgleich vorgenommen.
Die Zündkerzen deuteten auf ein zu fettes Gemisch
Nach ein paar Tagen offenbarte sich noch eine winzige Undichtigkeit, wieder am linken Vergaser. Der Messingstopfen
im Zulauf ließ kubikmillimeterweise Benzin durch. Mit 290er Loctite und einem vorsichtigen Körnerschlag ließ sich
das aber leicht in Ordnung bringen. Danke Gaga, fürs Mut machen, ich hätte mich wohl nicht getraut, weil ich
Angst hatte, den Stift nur weiter reinzuschlagen. Aber nein, er hat sich gespreizt!
Es gab Undichtigkeiten am linken Vergaser
Nach Einstellung und 300 Kilometern weiter sehen die Kerzen viel besser aus. Mann, macht das Spaß, meinen
Oldie wieder zu fahren!
Das Kerzenbild ist nun deutlich besser
4.11.2016: Tschüs, Kuchenblech!
Nein, es ist nicht nötig, aber das gehört jetzt auch noch dazu: Da ich die Stahlflexleitungen sowieso
eintragen lassen musste, konnte endlich auch das olle Kuchenblech mal
verschwinden
Zum Glück gibt es längst kleine Schilder
12.12.2016: Restarbeiten an der Z 750B
Was bleibt noch zu tun? Nun, heute ist der Ventildeckel vom Glasperlstrahlen gekommen und ich habe
inzwischen auch den LiMa-Deckel poliert. Zum Einbauen ist es mir aber im Moment in der Garage zu kalt.
Polierte Teile warten auf die Montage
Ein bisschen Statistik habe ich auch gemacht: In den knapp sechs Monaten habe ich
etwa:
230 Arbeitsstunden benötigt,
dabei etwa 5 Kilogramm Putzlappen und
8 Dosen Bremsenreiniger sowie
eine halbe Dose Handwaschpaste verbraucht.
Ich habe knapp 800 Fotos
und einige wenige Videos gemacht und
viel Geld ausgegeben.
Teuerster Einzelposten war die Rechnung für die neu eingespeichten Räder, der kleinste Betrag war für
das Döschen gelbe Modellbaufarbe fällig, die ich für die Lenkerarmaturenbeschriftung brauchte.
In Summe waren es fast 3500 Euro.
Mit ein paar Impressionen und einem Blick zurück auf die Kawasaki KH 500 vom Kiekeberg kann ich heute sagen: Geht doch!
Weitere Impressionen von der fertig restaurierten Kawasaki Z750 gibt es in der Fotoshow